Fehler

11. Juni 2012

Überzeugende Rennen an der Regatta Ratzeburg

Veröffentlicht in Wettkämpfe

Gold und Silber an der 53. Internationalen Ratzeburger Ruderregatta

Nach den Turbulenzen um den anlässlich der SRV Final Trials Anfang April ursprünglich gebildeten U23-Leichtgewichtsdoppelvierer – Valentin Gmelin wurde vom Verband aufgrund mangelhafter Planung kurz danach auf unbestimmte Zeit als Ersatzmann in das Olympiakader geholt – stand die Regatta in Ratzeburg im Zeichen einer letzten Möglichkeit zur Empfehlung für die Selektion an die in gut vier Wochen beginnenden U23-Weltmeisterschaft in Trakai, Litauen. Als im Laufe der letzten zwei Wochen absehbar wurde, dass Valentin wohl nicht mehr rechtzeitig zu uns stossen würde, entschied U23-Nationaltrainer Tim Foster, mich in Ratzeburg im Skiff an den Start zu schicken, um so das Potential einer Skiff-Teilnahme an der U23-WM abschätzen zu können. Diese Möglichkeit hatte auch ich persönlich im Vorfeld favorisiert, da ich dem leichten Doppelvierer in Abwesenheit von Valentin an der U23-WM keine besseren Medaillenchancen mehr einräumte als mir im Skiff.

Handicapiert durch eine Achillessehnenscheidenentzündung und mit etwas wenig Praxis im Skiff in den letzten Wochen, jedoch topmotiviert, trat ich also die auf zwei Tage verteilte elfstündige Carfahrt nach Ratzeburg (in der Nähe von Hamburg) an. Dort erwarteten uns leider äusserst anspruchsvolle Ruderbedingungen, sprich starker, böiger Wind und somit Wellen mit Schaumkronen. In der Schweiz wäre bei solchen Verhältnissen jede Regatta abgesagt worden – nicht so in Ratzeburg. In zwei Trainingseinheiten am Freitag konnten wir uns an die Wasserverhältnisse gewöhnen und so bestand die grösste Herausforderung an den beiden Renntagen dann vor allem darin, ohne voll zu laufen bis zum Start zu gelangen und ein sinnvolles Warm-up zu absolvieren. Auf der ersten Streckenhälfte war das Wasser tatsächlich spürbar ruhiger. Damit stand die Renntaktik für den Vorlauf von Samstag fest: Ich wollte die ersten 1000 Meter nutzen, um mich komfortabel in eine finalberechtigte Position, das heisst unter die ersten vier, zu bringen. Bei lediglich fünf Booten im Vorlauf war dies zwar absolut realistisch, wenn man die Konkurrenz nicht kennt, bleibt bis zum letzten Moment ein gewisser Nervenkitzel. Dieser löste sich aber bereits nach wenigen Schlägen, als klar wurde, dass mir die Finalqualifikation keine Probleme bereiten würde. Einzig das zweite französische Boot konnte mithalten und wollte sich bis zur Ziellinie partout nicht geschlagen geben. Weil ich zu wenig Aufmerksam war, konnte mich Thiboult Colard gar noch fast überholen – am Ende entschied ich den Vorlauf mit 0.2 Sekunden Vorsprung für mich und konnte so mit einem guten Gefühl ins Finale gehen.

Dort warteten die Cracks: Der Deutsche Konstantin Steinhübel, seines Zeichens Weltmeister 2010 und Vize-Weltmeister 2011 im leichten U23-Doppelvierer sowie der Franzose Damien Piqueras, Vize-Weltmeister 2011 im leichten U23-Doppelzweier. Im Finale gelang mir ein ansprechendes, wenn auch zu passives Rennen. Am Start büsste ich eine knappe Länge auf Steinhübel ein und positionierte mich an zweiter Stelle. Der Deutsche hielt den Vorsprung bis zur Streckenhälfte konstant, vermochte dann aber noch einmal zuzulegen. Ich meinerseits konzentrierte mich darauf, den Franzosen auf Position drei in Schach zu halten. Am Ende gewann Steinhübel mit ca. 3.5 Sekunden Vorsprung auf mich – Piqueras konnte ich deutlich auf den dritten Platz verweisen.

Mit meinem Sieg über den Franzosen war ich zufrieden, dass mich Steinhübel dominierte, stimmte mich etwas enttäuscht, denn ich war mit der Absicht zu gewinnen nach Ratzeburg gefahren. Doch es blieb ja die zweite Chance am Sonntag, es besser zu machen.

Den Vorlauf, dieses Mal gegen Piqueras, gewann ich souverän und ohne grossen Kraftverlust mit 5 Sekunden Vorsprung. Wie ich es mir vorgenommen hatte, ging ich die mittleren 1000 Meter entschlossener an und probte somit gewissermassen für das Finale.

Für dieses nahm ich mir vor, ab der 500-Meter-Marke aggressiver zu rudern und wenn nötig den Führenden anzugreifen. Der Start gelang mir recht gut und ich verlor nur noch eine halbe Länge auf Steinhübel. Auch Piqueras ging dieses Mal am Anfang voll mit. Nach 500 Metern hatte ich Steinhübel eingeholt und versuchte nun meinem Vorsatz folgend, dominant zu rudern und die Führung zu übernehmen. Als ich aus den Augenwinkeln wahrnahm, dass er das Tempo reduzieren musste, verlieh mir das zusätzlichen Auftrieb. Bald hatte ich eine Bootslänge Vorsprung und konnte diese bis zur 1500-Meter-Marke etwas ausbauen. Da ich zum Ende noch einmal heftige Gegenwehr des Deutschen erwartete, erhöhte ich das Tempo bereits 500 Meter vor dem Ziel und hoffte, meinen Vorsprung ins Ziel bringen zu können. Steinhübel zeigte jedoch keine grosse Reaktion mehr und so konnte ich den Vorsprung ohne maximal spurten zu müssen bis zur Ziellinie sogar noch auf 4.5 Sekunden ausbauen. Sehr zufrieden mit meiner Renngestaltung und dem Resultat durfte ich am Siegersteg die Medaille und eine Schachtel Lübecker Marzipan in Empfang nehmen.

Auch Nationaltrainer Tim Foster zeigte sich über das Rennen sehr erfreut und erklärte mir, dass er mich für die U23-WM im Skiff zur Selektion vorschlagen werde. Das Selektionsgremium des Schweizerischen Ruderverbandes wird über die Vorschläge am kommenden Dienstag entscheiden – nach den jüngsten Resultaten dürfte meine Selektion reine Formsache sein.

Die verbleibenden viereinhalb Wochen bis zur U23-WM in Trakai werde ich nun bestmöglich nutzen, um mich gesundheitlich wieder auf Vordermann zu bringen und mir im Training den letzten Schliff zu verpassen.

Main Sponsor

Supplier

Sport Nutrition

Medical Partner

Latest Videos