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15. Juli 2012

U23-WM Day 4: Es ist vollbracht!

Veröffentlicht in Wettkämpfe

U23-WM Day 4: Es ist vollbracht!

Bilder vom Finale

Die Wetterbedingungen am Sonntag präsentierten sich ähnlich wie am Vortag, wenn auch der Wind nun seitlicher einfiel und die Bedingungen vor allem auf den letzten 500 Metern von Bahn 6 bis Bahn 1 zunehmend deutlich schlechter wurden. Eine Neuverteilung der Bahnen war also wahrscheinlich. Ich versuchte jedoch, mich von diesem suboptimalen Vorzeichen nicht verunsichern zu lassen. Auch die Müdigkeit und Schwächegefühle, welche sich in meinem Körper und vor allem in meinen Oberschenkeln breitmachten, wollte ich so weit wie möglich ignorieren und sie als völlig normal vor einem wichtigen Rennen betrachten – die Erfahrung hatte mir oft genug gezeigt, dass mein Körper mir einen Streich spielt und beim Startschuss mit einer gehörigen Portion Adrenalin wieder zu Höchstleistungen fähig ist, obwohl ich Minuten zuvor noch fast am liebsten eingeschlafen wäre. „Ein ganz normales Rennen, es ist nur ein ganz normales Rennen“ versuchte ich mir immer und immer wieder einzureden, wie es mir meine Teamkollegen aus dem leichten Doppelvierer empfohlen hatten, die letztes Jahr die Bronzemedaille gewonnen hatten. Es ist unschwer zu verstehen, dass das leichter gesagt als getan war – rund 7 Minuten Schmerz und Aufopferung trennten mich von einer Medaille oder aber der totalen Enttäuschung. Für diese unbeschreiblichen Gefühlslagen liebe und hasse ich meinen Sport zugleich.

Das Rennen selber dann lässt sich gar noch weniger in Worte fassen – es war eines meiner knappsten, anspruchsvollsten und härtesten meiner bisherigen Sportkarriere. Ich wusste, wollte ich um die Medaillen mitfahren, müsste ich auf der ersten Streckenhälfte an der Spitze des Feldes mitrudern. Kämen wir erst einmal in den Windschatten der Insel, hätte ich den Angriffen meiner Mitstreiter auf den bevorzugteren Bahnen nicht mehr viel entgegenzusetzen.

Start um 11:13 Uhr, Line-up: Slovakia, Great Britain, Switzerland, The Netherlands, Germany, Greece auf den Bahnen 1 bis 6. Mit einem hervorragenden Start setzte ich mich an die Spitze des Feldes und führte dieses bei der 500-Meter-Marke gar an. Auf den zweiten 500 Metern versuchte ich die Pace zu halten, musste aber den Griechen etwas davonziehen lassen. Mit dem Deutschen lieferte ich mich einen spannenden Kampf um die zweite Position, welchen ich bis 1500 Meter für mich entscheiden konnte. Der Holländer lag eine gute Länge hinter mir zurück, GBR und SVK waren zu diesem Zeitpunkt schon weit abgeschlagen. Wir kamen auf die letzten 500 Meter und damit zum Abschnitt, von dem ich am meisten Respekt hatte, denn hier kam der Bahnvorteil des Griechen und des Deutschen erst voll zum tragen. Im satten Gegenwind entsprachen die letzten 500 Meter ungefähr 65 Schlägen, also begann ich entsprechend zu zählen, doch die Zeit verging schier unglaublich langsam. Wie befürchtet konnte nun der Deutsche aufschliessen und sich leicht vor mir positionieren, während der Holländer begann, unglaublich Druck zu machen und fast schon auf mich zuflog. Ich gab mein letztes, hatte nur den Holländer im Blick – erkannte irgendwann unter dem tosenden Lärm der vielen Zuschauer die Zielhupe und war bis aufs Letzte erschöpft. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, der Holländer hätte mich auf den letzten zehn Metern noch überspurtet und mir die Bronzemedaille abgenommen. Als mir dann aber kurz darauf der Deutsche zu ebendieser und dem grandiosen Rennen gratulierte, kannte mein Jubel keine Grenzen mehr. Dieser Moment, diese Emotionen, das ist es, wofür wir rudern, trainieren, im Sommer, im Winter, wenn es eiskalt oder brütend heiss ist, hagelt, schneit, ungemütlich ist oder wir schlicht Lust auf andere Dinge hätten. In diesem Moment ist alles vergessen, auch die schmerzenden Beine, Arme und Lungen und plötzlich hat sich die ganze Schinderei ohne jeden Zweifel gelohnt. 

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