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19. September 2011

U23-Weltmeisterschaften 2011 auf der Bosbaan

Veröffentlicht in Wettkämpfe

Vom 20. bis 24. Juli 2011 fanden in Amsterdam auf der legendären Bosbaan die World Rowing Under 23 Championships statt. Ich nahm mit Benedikt Hegglin vom Seeclub Zug im Doppelzweier der leichten B-Männer teil und bestritt damit meinen ersten Wettkampf auf höchstem internationalem Niveau.

Doch noch einmal ein kurzer Blick zurück:

Vom 5. bis 18. Juli bereiteten wir uns in einem rund zweiwöchigen Trainingslager im nationalen Ruderzentrum am Sarnersee auf den bevorstehenden Wettkampf vor. Betreut und unterstützt von meinem Grossvater Stefan Fábián ruderten wir Kilometer um Kilometer, um stetig besser zusammen zu finden und einen soliden Doppelzweier-Rhythmus zu entwickeln. Mit den Doppelzweiern der Junioren und schweren U23-Männer hatten wir in den Streckentrainings mit Zeitmessung („Pieces“), aber auch während langen Ausdauer-Einheiten jederzeit eine wertvolle Vergleichsmöglichkeit in einem kompetitiven Trainingsumfeld. Dieses ständige „sich gegenseitig pushen“ ist meines Erachtens eine wichtige Voraussetzung für eine Leistungssteigerung und sollte deshalb nicht nur auf Stufe Kadertraining, sondern auch im Clubumfeld unbedingt gefördert werden.

Auch die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Nationaltrainer Tim Foster verlief während dem ganzen Trainingslager sehr produktiv und wohlwollend.

Nachdem wir am 18. Juli noch die letzten Pieces auf dem Rotsee abgespult hatten, stand der Dienstag im Zeichen der Anreise und eines ersten Trainings auf der Bosbaan, welche übrigens das älteste künstliche Ruderbecken der Welt ist.

Nach der Landung in Schiphol ging es allerdings erst einmal ins Teamhotel. Begleitet von einer freundlichen Volunteers-Delegation des Events, machten wir die ersten Erfahrungen mit dem Shuttelservice, welcher uns in den darauffolgenden Tagen noch unzählige Male vom Hotel zur Strecke und zurück brachte.

Das Hotel war dann auch der erste Höhepunkt des ganzen Unterfanges: Schätzungsweise die Hälfte aller 63 teilnehmenden Nationen war hier einquartiert, was dazu führte, dass man seinen späteren Gegnern ständig über den Weg lief und sich gegenseitig beäugte. Von unserem Zimmer bis zum Ausgang waren gefühlte 10 Kilometer zurückzulegen und auch das Büffet hatte es in sich. Auf 80 Metern Länge wäre hier alles zu finden gewesen, was das Herz begehrt. „Wäre“ deshalb, weil ich dieses grandiose Büffet während sechs langen Tagen aus der Ferne bestaunen und mich jeweils mit kleinen Mengen Teigwaren, Reis und Gemüse begnügen musste. Warum ich mir das antat? Ja, das frage und fragte ich mich tatsächlich auch.

Die Antwort liegt in der Gewichtslimite von 70kg, die eine leichte Rudermannschaft pro Athlet im Durchschnitt maximal auf die Waage bringen darf. Zuvor hatten wir festgelegt, dass Benedikt 69kg und ich 71kg anpeilen würde, da ich von Natur aus über mehr Masse verfüge als er. Doch auch diese 71kg hatten es in sich und ganz auf unsere neu angeschafften Profi-Schwitzanzüge wollte ich mich auch nicht verlassen. Soweit die Episode zu Gewicht, Essen und Waage (eine solche hatte natürlich auch noch im Fluggepäck Platz gefunden).

Nach dem Einquartieren ging es per Shuttle an die Strecke, wo zu allererst die Akkreditierung zu erledigen war. Heisst: Pass zeigen, fotografiert werden, Fairnesserklärung unterschreiben, um schliesslich ein laminiertes Umhängsel zu erhalten, mit welchem einem Einlass zum Regattagelände gewährt wurde. Dieses ist für Zuschauer und Angehörige an internationalen Anlässen nämlich nicht zugänglich. Nach dem Aufriggern hatten wir die Möglichkeit, eine kleine Runde auf dem Wasser zu drehen, wo wir in den kommenden Tagen gegen die Weltelite antreten sollten. Es galt, die Dynamik aus dem Trainingslager schnell wiederzufinden, um für das erste Rennen vom Donnerstag bereit zu sein.

Auch am Mittwoch ruderten wir noch zwei kurze aber konzentrierte Einheiten, das bevorstehende Rennen vom nächsten Tag schon klar vor Augen. Am Abend dann die letzen Vorbereitungen in Sachen Gewicht mit einem Portiönchen Teigwaren und ein paar Entwässerungsbrausetabletten.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Nach dem Aufstehen am Donnerstagmorgen in der Früh warfen wir einen ersten Blick auf die Waage im Zimmer und konnten beruhigt je ein halbes Brötchen verzehren - Trinken war bis zum Wägen tabu. An der Strecke angekommen, checkten wir noch einmal auf der offiziellen Waage, wie viel Gewicht wir noch verlieren mussten. Von den 1.6kg entfiel eines auf mich und 600 Gramm auf Benedikt. Wir zogen uns, so gut man das im Voraus unter Berücksichtigung der äusseren Umstände wie Temperatur, Wind und Sonneneinstrahlung abschätzen kann, so an, dass wir das nötige Gewicht in zwei Runden auf der Strecke abschwitzen würden. Weil das natürlich keine exakte Wissenschaft ist, besteht vor dem definitiven Gang auf die Waage zwei Stunden vor dem Rennen jeweils eine gewisse Rest-Unsicherheit, ob es denn auch wirklich passen würde, wobei man die Limite ja auch nicht zu stark unterbieten will. Wir hatten unser Gewichtsmanagement  aber vor allen vier Rennen ziemlich gut im Griff und konnten mit einigem Schwitzen jeweils recht präzise die durchschnittlichen 70kg vorweisen.

Als diese erste Hürde geschafft war, füllten wir unsere dehydrierten Körper mit isotonischen Getränken, Weissbrot, etwas Banane und ein paar original Basler Läckerli auf - nicht zu wenig und nicht zu viel, denn schliesslich sollte der Mageninhalt während dem Rennen ja auch im Magen verbleiben.

Am Steg wurde einem die Startnummer und das GPS-Modul aufgesetzt, dann bereiteten wir uns mit dem üblichen Einfahren eine halbe Stunde vor dem Rennen auf den Start vor. Auf der Bosbaan ist das dahingehend etwas anspruchsvoll, dass beim Einrudern in Richtung Ziel jeweils zwischen den Rennen auf der Strecke gefahren werden muss.

Und dann war es so weit: Start gegen BLR, ESP, FRA, IRQ und USA. Es resultierte der dritte Rang nach einem noch nicht optimal aber dennoch zufriedenstellend verlaufenen Rennen. Damit mussten wir am Tag darauf zum Hoffnungslauf antreten, dieses Mal gegen ITA, AUS, GUA, HKG. Im Vorfeld zur WM hatten wir uns einen B-Final-Einzug zum Ziel gesetzt und fragten uns nun, ob wir gegen die als stark eingeschätzten Italiener und Australier werden bestehen können. Wir konnten - mit einem zweiten Platz lediglich zwei Sekunden hinter Italien, aber vor GUA, HKG und den enttäuschenden Australiern schafften wir den Einzug ins Finale A/B. Rückblickend war dieser Hoffnungslauf mein persönliches Highlight des ganzen Events.

Im Halbfinale vom Samstag wurden uns dann erwartungsgemäss die Grenzen aufgezeigt. Wir versuchten, mit noch einmal gesteigerter Schlagzahl so lange wie möglich mitzuhalten, mussten bei Streckenhälfte jedoch einsehen, dass das A-Finale für uns unerreichbar war. Daraufhin begannen wir, etwas Kraft zu sparen und kamen hinter GER, ESP, AUT und HUN, aber vor Portugal ins Ziel.

Hochmotiviert für das B-Finale stiegen wir am Sonntag aus den Betten - und erhielten einen herben Dämpfer, als wir die Sturmböen und den Dauerregen vor unserem Fenster entdeckten. Mit gegenseitigem gutem Zureden („Rudern ist halt eine Outdoor-Sportart“) und dem Wissen, dass wir bei diesen doch recht unfairen Bedingungen nicht um eine Medaille kämpfen müssen, rafften wir uns auf und stellten uns unserem Schicksal. Fünf Hundertstelsekunden waren es, die uns letztlich von Rang 4 im B-Finale und damit den Top Ten trennten. Fünf Hundertstelsekunden, die ich bei anderen Gelegenheiten auch schon auf meiner Seite hatte, aber eben: ein wenig enttäuscht ist man halt schon.

Damit war der Event für uns zu Ende und das Ess-Universum wieder eröffnet. Status quo: Plus 5kg im Vergleich zur WM, um unzählige Erfahrungen reicher und randvoll mit Motivation für die kommende Saison. Das Ziel ist klar: Gleicher Wettkampf, dann jedoch in Trakai (LTU) und mit Edelmetall als Mitbringsel. Die vielen positiven Rückmeldungen von BRClerinnen und BRClern sowohl aus dem Leistungs-, wie auch aus dem Breitensport beflügeln mich für das harte Training und bestärken mich im Weg, den ich eingeschlagen habe. 

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