12. Mai 2013

Sieg im leichten U23-Einer in Essen

Veröffentlicht in Wettkämpfe

Ein Sieg und ein etwas undankbarer 4. Rang auf dem Baldeneysee bei anspruchsvollsten Ruderbedingungen.

Sieg im leichten U23-Einer in Essen

Nach meinen guten Resultaten in den internen Vergleichsrennen an der Saisoneröffnungsregatta auf dem Lauerzersee wurde ich vom Schweizerischen Ruderverband für die internationale Hügelregatta auf dem Essener Baldeneysee nominiert. Offenbar sollte ich dort noch einmal gegen Michael Schmid getestet werden. Diesen hatte ich in Lauerz an beiden Tagen geschlagen und somit die erwartete Hierarchie etwas auf den Kopf gestellt.

Am Samstag war ich deshalb in der Elite-Kategorie gemeldet und am Sonntag dann in meiner eigentlichen Kategorie bei den unter 23jährigen. Generell stand das ganze Wochenende im Zeichen von Wetter- und Wasserbedingungen, wie ich sie kaum jemals zuvor erlebt hatte. Es blies permanent ein starker Gegenwind, welcher grosse Wellen, teilweise mit Schaumkronen, verursachte.

Meinen Vorlauf konnte ich in überzeugender Manier mit 6 Sekunden Vorsprung vor dem deutschen mehrfachen WM-Medaillengewinner Michael Wieler für mich entscheiden, ohne dabei zu viel Kraft verbraucht zu haben. Obwohl im Rudersport aufgrund der wechselhaften Wasserbedingungen nur sehr beschränkt aussagekräftig, durfte ich mir auch die schnellste Vorlaufzeit im Vergleich zum zweiten Vorlauf notieren lassen. Dies liess mich positiv auf das nachmittägliche Finale blicken.

Zehn Minuten vor dem Start ebendieses Finales brach ein regelrechtes Unwetter über die Regattastrecke herein und wir sieben Leichtgewichts-Skiffiers wurden in der Startzone zu einem Spielball der Wellen. Innerhalb einer Minute bis auf die Haut durchnässt und das Boot randvoll gefüllt mit Wasser versuchten wir, in Erfahrung zu bringen, ob das Rennen gestartet werden würde. Mit Gesten verständigten wir uns dann einige Minuten später darauf, den Rückzug anzutreten. An ein Rennen war bei diesen Bedingungen nicht zu denken. Schlotternd und zitternd an Land angekommen, nahm ich den schnellsten Weg unter die wärmende Dusche.

Das Rennen wurde vier Stunden später neu angesetzt. Bei deutlich besseren Wasserbedingungen aber noch immer starkem, nunmehr leicht seitlichen Gegenwind reihten wir uns auf. Ich erwischte einen schnellen Start und setzte mich zusammen mit Jonathan Koch gleich eine knappe Länge vom restlichen Feld ab. Dann bestätigte sich leider, was ich im Vorfeld bereits etwas befürchtet hatte: Die Ruderer auf Bahn 1 und 2 (Schmid und Wieler) holten relativ mühelos zu Koch auf 3 und mir auf 4 auf, während die Ruderer auf den höheren Bahnen immer weiter zurückfielen. Der Rest ist schnell erzählt: Ich lieferte mir ein enges Duell mit dem Slowenen Hrvat auf Bahn 5, welches ich mit einem starken Endspurt sicher für mich entscheiden konnte. Es resultierte der vierte Rang, rund vier Sekunden hinter Koch, drei hinter Wieler und zwei hinter Schmid. Ohne ein schlechter Verlierer sein zu wollen, bin ich überzeugt, dass das Resultat mit einer Bahnneuverteilung (Vorlaufsieger in diesem Fall auf den windgeschützteren Bahnen 1 und 2), wie sie bei Seitenwind üblich ist, anders ausgesehen hätte. Dafür spricht, dass Michael Wieler, den ich im Vorlauf nach Belieben dominiert hatte, nun plötzlich auf den zweiten Rang fahren konnte. Frédéric Hanselmann, der dritte Schweizer im Feld und 5-facher Schweizermeister im leichten Einer, war auf Bahn 7 völlig chancenlos und hatte gleich 13 Sekunden Rückstand auf mich. Am Sonntag, an dem wiederum ähnliche Windbedingungen herrschten, ergab sich folgendes Bild: Plötzlich war nun Hrvat (auf tiefer Bahn), den ich am Samstag geschlagen hatte, 1.5 Sekunden vor Schmid (auf hoher Bahn). Hanselmann, nun direkt neben Schmid, hatte auf diesen nur noch 6 und nicht mehr 15 Sekunden Rückstand wie am Vortag.

Doch Resultat war Resultat und somit auch die teaminterne Ausmarchung um das EM-Ticket im leichten Einer entschieden. Michael Schmid wird die Schweiz in Sevilla (ESP) vertreten. Dazu gratuliere ich herzlich und freue mich bereits auf die Revanche an der Schweizermeisterschaft vom 6./7. Juli auf dem Rotsee in Luzern.

Zu den Rennen von Sonntag bei den U23-Leichtgewichten kann man sich kurz fassen und festhalten, dass ich auf internationalem Niveau wohl noch nie zwei Rennen so spielend gewonnen habe. Den Vorlauf entschied ich mit 11, das Finale mit 10 Sekunden Vorsprung für mich. Der Deutsche Schad konnte in den hohen Wellen zwar einen schnellen Start hinlegen, verabschiedete sich dann aber doch auch relativ rasch aus dem Rennen und so ruderte ich einsam an der Spitze mein Rennen.

Die beiden Nationaltrainer zeigten sich zufrieden und stellten mir die Selektion an die U23-WM in Linz (AUT) in Aussicht. Diese wird vom 24. bis 28. Juli stattfinden. Es bleiben mir und Trainer Stefan Fabian also rund zwei Monate, um in WM-Form zu kommen und die Voraussetzungen für eine weitere WM-Medaille zu schaffen. Denn eine solche soll es werden. Nach der mehr als zweimonatigen Zwangspause im Winter aufgrund der Mononukleose-Erkrankung bleibt jedoch noch einiges zu tun.

Wettkampfeinsätze bis zur U23-WM werde ich in Cham am 25./26.05., voraussichtlich am 22./23.06. in Greifensee und am 06./07.07. an der Schweizermeisterschaft auf dem Rotsee bestreiten.